Wunsch nach Scheidung

Themen rund um den hohen Wert der Ehe, Singel-Dasein und Sexualität.

Moderator: Hellmut

Re: Wunsch nach Scheidung

Beitragvon Sonnenstrahl » Donnerstag 4. Juni 2009, 09:28

Ich hoffe, dieses Thema noch einmal hochholen zu dürfen.

16 Jahre war ich verheiratet.
Ich selbst bin ja in einer Baptistengemeinde groß geworden und habe mich mit 13 Jahren ganz bewusst taufen lassen. Mein Mann war noch nie ein gläubiger (und auch wiedergeborener) Christ.
Ich dachte damals alles richtig zu machen. Viele haben mich gewarnt, mit ihm eine Ehe einzugehen. Ich glaubte es besser zu wissen. Was ich damals NICHT merkte war, dass er mich mehr und mehr von der Gemeinde wegzog (ich will damit NICHT sagen, dass er es bewusst gemacht hat). Allerdings gehören dazu auch zwei, d.h. ich habe mich auch wegziehen lassen!!!
Kinder haben wir lange keine bekommen und ich wollte so gerne Kinder haben. Also bin ich zu Ärzten gerannt. Wir haben dann zuerst einen Jungen und dann Zwillinge (Junge + Mädchen) bekommen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir 10 Jahre verheiratet. Als die Zwillinge zwei Jahre alt waren, musste mein Mann ins Krankenhaus, weil sich in seinem Gehirn Zysten gebildet hatten. Ich hatte große Angst um ihn.
Wir zogen von Oberbayern nach Niederbayern. Von da an hatte ich den großen Drang, wieder in eine Gemeinde zu gehen.
Ich ging wieder in die Baptistengemeinde (fast vor Ort) und hörte in den Predigten ständig, dass über mich gesprochen wurde. Ich sog alles auf wie ein trockener Schwamm. Nach und nach merkte ich, wie sehr mir Gott fehlte und dass mich nur noch mein Taufspruch all die Jahre gehalten hatte: Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein! Jes. 43,1
Ich fing wieder an in der Gemeinde mit zu arbeiten. Es machte richtig richtig Spaß. Meine Gedanken waren: wie bekomme ich meinen Mann in die Gemeinde? Kurz gesagt: ich bekam ihn in die Gemeinde und nach einer ganzen Zeit fuhren wir zusammen jeden Sonntag dort hin.
Als meine Kinder ins Krankenhaus mussten (damals waren sie 6 und 4 Jahre alt), musste ich mit im Krankenhaus bleiben. Plötzlich kam mein Mann mich mit einer sehr jungen Frau (für mich war es damals noch ein Mädchen) im Krankenhaus besuchen. In mir keimte Eifersucht auf. Keine Ahnung warum, aber das ist wohl der siebte Sinn, den die Frauen haben.
Als ich aus dem Krankenhaus kam, wollte mein Mann damals unbedingt, dass wir am Sonntag drauf in den Gottesdienst gingen. Ich meinte damals: finde ich nicht gut, die Kinder sollten sich unbedingt schonen, damit es zu keinen Nachblutungen kommt. Mein Mann meinte dann: aber wenn wir in den Gottesdienst fahren, sind wir ganz nah am Kinderkrankenhaus, sollte etwas passieren. Wir fuhren also in den Gottesdienst.
Gleich bei der Türe hielt mich eine Schwester auf und meinte: toll, gell, dass sich dein Mann taufen lässt!!! Über meinem Kopf: ???????? Er hatte mir davon nichts, rein gar nichts erzählt. Ich war wie vor den Kopf geschlagen.
Am Tag der Taufe passierte bei meinem Mann rein gar nichts. Ich hatte ihn nach der Taufe gefragt, wie es denn nun war. Und er meinte: gar nichts war, was sollte gewesen sein? Ich weiß aber sehr wohl, wie meine Taufe war und konnte das so gar nicht begreifen.
Immer mehr befasste sich mein Mann mit dieser jungen Frau. Sie war jeden Sonntag unser Gast. Mit meiner Eifersucht konnte ich kaum noch umgehen, also ging ich in die Seelsorge. In der Seelsorge merkte ich, dass mir ein Übergabegebet fehlte und ich sprach ein Übergabegebet. Meine Seelsorgerin meinte damals: Uli, nicht dass Du denkst, dass dann sofort alles anders sein würde... (wie käme ich dazu, ich war ja schon lange 'dabei' und wusste, dass nicht alles Schlag auf Schlag gehen würde). Aber es kam Schlag auf Schlag.
Von dem Tag an, ging es mit unserer Ehe bergab. Immer öfter kam mein Mann sehr spät vom Hauskreis nach Hause und wenn ich ihn fragte, wo er war, meinte er: ich war auf einem Parkplatz und habe nachgedacht...
An einem Tag sprach ich auch mit der jungen Frau und sagte ihr, dass sie uns sonntags nicht mehr besuchen könne. Sie meinte daraufhin: ja glaubst du denn, dass ich etwas von deinem Mann will? (zu diesem Zeitpunkt waren sie sogar schon ein Paar).
Die Hauskreisleiterin hatte mir später erzählt, dass sie sehr wohl merkte, was mit den beiden abging und hat sie auch darauf angesprochen. Auch mit der jungen Frau hat sie allein gesprochen und gemeint: du wirst auch die Ehe brechen, nicht nur der Mann von Uli. Lass die Finger von einer Familie.
Nun, Gott sagte mir: suche!! Ich wusste gar nicht, wonach ich suchen sollte, also stellte ich das komplette Haus auf dem Kopf. Kurzum: ich fand einen Liebesbrief von der jungen Frau an meinen Mann... Und das ging wohl schon eine ganz Zeit so. Er war im Außendienst tätig und besuchte sie sehr oft.
Ich hatte meinem Mann restlos vertraut und er hat mein Vertrauen missbraucht.
Für mich brach eine Welt zusammen. Ich flehte ihn an. Ich bat ihn, eine Eheberatung zu machen, einen Neuanfang usw.
Irgendwann meinte er dann: du, ich liebe dich schon seit 2 Jahre nicht mehr...
Die Gemeindeleitung sprach mit den beiden. Auch sie hatten keinen Erfolg und mein Mann kein Einsehen.
Er zog aus - kurze Zeit später schon mit ihr zusammen (obwohl die Liebe ja nur platonisch gewesen sein soll). Er reichte die Scheidung ein - ich lehnte sie ab, ohne Erfolg. Ein Jahr ließ ich ihm noch Zeit, zu mir zurück zu kommen - er kam nicht.
Ich hatte an meine Ehe geglaubt: was Gott zusammenfügt, soll der Mensch ja nicht scheiden....
Aber: jetzt kommt das große ABER:
Gott hat mich nie aufgegeben! Das hat er mir in meinem Taufspruch ja versprochen! Und ich hätte niemehr zu Gott zurück gefunden, hätte es die Scheidung nicht gegeben. Das lernte ich allerdings erst im Laufe der Jahre (ich bin jetzt seit 12 Jahren nicht mehr verheiratet).
Ich lernte Gott wieder sehr intensiv kennen und musste trotzdem noch einmal durch eine sehr schwere Beziehung gehen, die ich aber dann gelöst habe.
Von Gott werde ich mich nicht mehr trennen. Er hat mich wieder zu der Frau werden lassen, die ich einmal war. Viele meiner Bekannten kamen auf mich zu und meinten: Mensch Uli, endlich bist du wieder die, die du einmal gewesen bist...
Nein, die bin ich natürlich nicht mehr. Ich bin gewachen und habe einen harten Reifungsprozess durchmachen müssen. Aber er war sehr segensreich für mich selbst.
Die Frage, die sich in mir auftürmte: darf ich nun noch einmal heiraten??? Diese Frage quälte mich sehr und ich fing an, kein Abendmahl mehr zu nehmen. Mein Pastor kam auf mich zu und fragte mich danach. Ich meinte: ich habe nicht mehr das Recht, am Abendmahl teil zu nehmen. Ich bin geschieden!!!
Er hat mich beruhigt und meinte sogar: du darfst auch wieder heiraten! Du bist zu behandeln, wie eine Witwe... Es wäre besser, sie würden zwar nicht mehr heiraten, aber sie dürfen wieder heiraten. So du auch. Denn du hast versucht, deine Ehe zu retten. Du hast deine Fehler eingesehen, daran gearbeitet. Du bist in die Seelsorge gegangen um zu verarbeiten. Du hast ein ganzes Jahr auf deinen Mann gewartet, du hast ihm einen Brief geschrieben, wo du um Verzeihung gebeten hast und ihm auch mitgeteilt hast, dass du ihm verzeist. Mehr konntest du nicht machen. Wir als Gemeinde haben für euch gebetet, du selbst auch. Es ging nicht mehr. Wenn sich der ungläubige Partner vom gläubigen trennt, soll er ihn gehen lassen.
Heute habe ich einen ganz lieben Partner. Nein, er ist nicht wiedergeboren. Er kennt diesen Begriff auch so nicht. Er ist katholisch und handelt auch so, aber er ist sehr interessiert daran, was wir als Baptisten so alles anderes haben.
Wir haben gelernt, einen Spaghat zu machen. Samstags gehe ich mit ihm in den kath. Gottesdienst und sonntags geht er mit mir zu den Baptisten, wovon er sich auch nicht abhalten lässt.
Eine Jesuserfahrung hat er bisher noch nicht machen können. Umsomehr bete ich dafür. Wir werden noch viel lernen müssen und es ist gut, dass wir so weit auseinander wohnen (960km). Wir können uns dadurch ganz langsam nähern, den anderen langsam kennenlernen. Ich freue mich auf die Zeit mit ihm und umgekehrt.
Ich bete sehr viel und möchte auf das hören, was Gott mir zu sagen hat. Das ist mir ganz wichtig geworden, denn wenn ihr aufmerksam mitgelesen habt, habe ich immer geschrieben: ICH. Ich habe Gott nie gefragt, ob es richtig ist - auch nicht mit den Kindern. ICH wollte Kinder haben. Ja, ich habe sie und ich würde sie niemals hergeben. Aber die habe ich Gott wirklich abgerungen. Ich habe ihm damals nicht vertraut.
Diesen Fehler will ich nicht noch einmal machen. Denn wenn ich noch einmal heiraten sollte - dann nur, mit Gottes Hilfe...
LG Uli
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Re: Wunsch nach Scheidung

Beitragvon Lydie » Donnerstag 4. Juni 2009, 10:34

Liebe Uli!

Du hast ja Einiges hinter Dir!

Es ist so wichtig, besonders bei der Partnerwahl, nach Gottes Willen zu fragen, denn nur dann kann man glücklich werden.
Es ist schön für Dich, dass Du einen netten Mann kennengelernt hast, der auch an Deinem baptistischen Glauben interessiert ist.

Mein Rat für Dich, heirate ihn nur, wenn er auch eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus hat. Er mag noch so christlich sein, aber es könnte wieder schief gehen. Dies nur zum Nachdenken, ich möchte Dich nicht bevormunden! :)

Ich habe in meiner langen Ehe herausgefunden, dass die geistliche Gemeinschaft das Wichtigste ist!!!!

Ich wünsche Dir Gottes Segen!

Liebe Grüsse
Lydie
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Re: Wunsch nach Scheidung

Beitragvon Sonnenstrahl » Donnerstag 4. Juni 2009, 12:17

Liebe Lydie,
Du bevormundest mich keineswegs. Denn genau das ist es ja, was auch ich möchte.
Ich möchte hier auch gar nicht über Katholiken herziehen, auf gar keinen Fall. Aber nicht viele von ihnen haben eine persönlich Erfahrung mit Jesus Christus gemacht. - Leider.
Und natürlich werde ich ihn JETZT noch nicht heiraten, denn 1.: wir kennen uns erst seit einem Jahr, 2.: wir wohnen sehr weit von einander entfernt und 3.: habe ich ja drei Kinder, die von hier nicht weg wollen (sie sind ja in der Zwischenzeit, der Große 18 und die zwei Kleinen werden 16 Jahre). Die sind hier aufgewachsen und fühlen sich hier wohl. Ich habe mich hier noch nie wohlgefühlt, deshalb würde es mir so gar nichts ausmachen, von Niederbayern weg zu gehen.
Aber wie gesagt: das steht noch in den Sternen, denn dazu kenne ich ihn ja auch viel zu wenig.
Und wenn man lange alleine gelebt hat, hat mich sich so Angewohnheiten angeeignet, die man nicht wirklich wieder abgeben will. Ich bin durch das Alleinsein sehr viel Selbständiger geworden. Ich kann selbst entscheiden, was ich wann und wo mache usw.
Ich frage mich natürlich: will ich das alles wieder aufgeben? Will ich mich wieder nach einem Mann richten? Will ich wieder fragen müssen? Diese Fragen öffnen sich. Über diese Frage bete ich. Über diese Fragen unterhalte ich mich mit IHM und mit ihm.
Wir sind sehr offen gegenseitig und das ist auch gut so. Er ist nicht soooo christlich. Ich habe mit ihm auch schon darüber gesrochen, dass er zwar jeden Sonntag in den Gottesdienst geht, weil er das wohl auch braucht (oder weil es Gewohnheit ist?), aber beim Verlassen der Kirche lässt er Gott dort zurück!!! Da war er sauer, weil er glaubte, ich würde seinen Glauben antasten, was ich gar nicht getan habe. Er hat's dann verstanden und er ist ins Überlegen gekommen.
Er besucht ja einen Kurs (in einem anderen Thread hier habe ich davon geschrieben) und da wurde doch allen Ernstes behauptet, dass wir ALLE in das Himmelreich kommen. Mit alle meinte der Moderator auch ALLE!!! Ich habe heftig geschluckt und habe ihm auch gesagt, dass das so nicht stimme, er solle mal seine Bibel richtig lesen...
Natürlich ist es für Kirchgänger einfach, das zu glauben, weil 'man' ja dann nix tun muss, um ins Himmelreich zu kommen.
Mein Freund hat sehr wohl mitbekommen, wie mich das aufgeregt und beschäftigt hat. Auch da, denke ich, kommt er ins Überlegen.
Es ist noch ein langer Weg. Aber wenn er so weitergeht, wie er angefangen hat, dann kann er nur gut werden.
Wie gesagt: ich bete sehr viel darüber, weil ich auch das Ja von oben bekommen will.
LG Uli
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Re:

Beitragvon bebo » Donnerstag 4. Juni 2009, 19:01

pillango hat geschrieben:Meiner Meinung kommt es bei zwei Menschen, die gläubig sind, und die beide eine lebendige Beziehung zu Jesus haben nicht zu einer Scheidung. Wenn sie ihre Ehe für Jesus leben, dann KANN es nicht zu einer Scheidung kommen.



Da gebe ich dir vollkommen recht. Ich denke auch, man sollte den Partner nicht nach "weltlichen" Kriterien aussuchen, sondern denjenigen Partner/diejenige Partnerin nehmen, die einem der HERR gibt. Ich kenne zum Beispiel jemanden, der mit seiner Frau mitlerweile etwa 35 Jahre verheiratet ist und zwar glücklich. Er hat gesagt, er hätte seine Frau niemals genommen weil sie überhaupt nicht sein Typ ist aber der HERR hat ihm gesagt, er solle sie nehmen. Ich persönlich habe noch keine Freundin und habe ehrlich gesagt auch ein bisschen angst, weil man in einer Beziehung vieles falsch machen kann (Scheidung, Frau schlecht behandeln,...) aber ich bin mir sicher wenn mir der HERR eine Frau gibt (klingt als wäre es eine Sache aber mir fällt nichts besseres ein) kommt es gut.
Aber leider hörte ich letztens, dass die Scheidungsrate der Christen nicht kleiner ist als die von Weltmenschen.

An Wolfgang: So viel mir ist, versündigt sich dein Kollege nicht. Denn die Scheidung geht nicht von ihm aus. Angenommen sie würden sich trennen und er würde sich mit einer anderen zusammentun bevor es seine Frau macht, dann wäre es Scheidung.

Ich habe mal gehört, dass ein Christ keine Ungläubige zur Frau nehmen kann. Ausser sie kommen ungläubig zusammen und er wird in der Ehe gläubig. Leider kann ich das nicht biblisch darlegen (hab auch noch nicht gesucht ;-)). Vielleich weiss ja da jemand etwas?

Lieber Gruss
Benjamin
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Re: Re:

Beitragvon Sonnenstrahl » Donnerstag 4. Juni 2009, 19:22

bebo hat geschrieben:
pillango hat geschrieben:Ich habe mal gehört, dass ein Christ keine Ungläubige zur Frau nehmen kann.
Lieber Gruss
Benjamin


Können tust Du natürlich schon - aber es ist absolut nicht ratsam. Wie schon geschrieben, ich habe es hinter mir und ich kann nur sagen: Lass die Finger davon.
Wenn ein Ehepartner in der Ehe gläubig wird, ist automatisch sein Ehepartner auch geheiligt... So steht es auch in der Bibel.
Ich wünsche Dir, dass Du eine gläubige Partnerin findest und Ihr somit dann eine solide und sehr gute Grundlage habt.
LG Uli
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